Pilgerweg 6: Bosau - Bad Malente - Sielbeck - Eutin-Fissau

Heiligen-Geist-Fenster von Gabi Weiß in St. Petri zu Bosau: Gold als Symbol für Heiligkeit und Gottes Gegenwart. Foto: Döbler"Komm,
göttliches Licht, erleuchte die Erde, erfüll unsre Herzen, nimm Wohnung bei
uns." Dieses Lied fällt mir ein, als ich mich dem Altarraum von St. Petri
in Bosau nähere: Goldgelbes Licht erfüllt den Raum. In der christlichen Ikonografie
symbolisiert Gold Heiligkeit, es verweist auf die Gegenwart Gottes. Das
goldgelbe Licht im Altarraum verströmen die 2002 neu eingebauten Fenster, die
von der Glaskünstlerin Gabi Weiß aus Wehingen/Würtemberg gestaltet wurden.
Neben diesen neuen Kunstwerken sind es vor allem das große Triumphkreuz, das
vor dem Altarraumbogen hängt, und der aus Eichenholz gefertigte dreiflügelige
Altaraufsatz mit dem segnenden Christus in einer Mandorla, die den spirituellen
Reichtum der Bosauer Kirche ausmachen.
Die
Kirche ist eng mit dem Wirken Bischof Vicelins (gest. 1154) verbunden, dem
"Apostel der Holsten und Wagrier". 1151 ließ er eine Kirche
errichten, die er 1152 weihte. Vicelin war ein Pilger. Helmold von Bosau (gest.
1177) berichtet in seiner Slavenchronik: "Predigend geht er von Ort zu
Ort."
Ich
verlasse Bosau Richtung Augstfelde. Mein Ziel ist die Martin-Luther-Kirche in
Eutin-Fissau. Nach den letzten Häusern führt der Weg durch Wiesen und Wald
zwischen Großem Plöner See und Vierer See - einer der schönsten Wanderwege in
Ostholstein, vor allem im Herbst, wenn die Sonne die bunten Blätter leuchten
lässt und das Wasser zum Funkeln bringt. An der Gaststätte
"Leuchtturm" überquere ich die B 76 und folge der Markierung des
Europäischen Fernwanderweges über Malente, Sielbeck bis Fissau.
Pilgern
ist eine alte religiöse Tradition, die heute wieder entdeckt und neu
interpretiert wird. Pilgern unterscheidet sich vom Wandern dadurch, dass
spirituelle Elemente den Pilgerweg prägen. Gehen ist die Urform des Pilgerns.
Im Gehen werden wir aufmerksamer für uns, unsere Umwelt und Gott.
An
der Martin-Luther-Kirche angekommen, erinnere ich mich daran, dass Luther die
Pilgerpraxis seiner Zeit vehement kritisiert hat. Wallfahrten, Pilgern sind
nach seiner Überzeugung keine Mittel, mit denen sich Gottes Zuwendung erwerben
lässt. Gottes Zuwendung ist geschenkte Zuwendung. - Pilgern, wie wir es in der
Männerarbeit praktizieren, setzt den "Unterwegs-Charakter" des
menschlichen Lebens buchstäblich um in eine besondere spirituelle Erfahrung.
Damit wäre Luther sicher einverstanden, denn er konnte sagen, dass dieses Leben
auf Erden nicht anders anzusehen sei als eine Pilgrimfahrt.
Wegbeschreibung:
Länge des Weges: ca. 30 km Gehzeit (ohne Pausen) bei mäßigem
Pilgertempo: ca. 7,5 Stunden Ausgangsort: St. Petrikirche in
Bosau Zielort: Martin-Luther-Kirche in
Eutin-Fissau
Von
St. Petri zum Helmoldplatz, ca.150 m über den Bischof-Vicelin-Damm, dann links
abbiegen auf den Gerold-Damm. Über die Plöner Straße den Ort verlassen. Nach
dem letzten Haus (schon außerhalb der geschlossenen Ortschaft) dem Fußwegweiser
"Plön - Ruhleben" geradeaus folgen.
Der
Weg verläuft durch Wiesen und Wald zwischen Großem Plöner See und Vierer See, führt
am Gut Ruhleben vorbei und trifft am Altersheim Ruhleben auf den Missionsweg.
Diesem asphaltierten Weg nach rechts Richtung Plön folgen bis zur Gaststätte
"Leuchtturm". Hier die B 76 queren und ab der Straße Kieler Kamp der
Markierung des Europäischen Fernwanderweges 1 folgen: X. Diese Markierung gibt
Orientierung bis Eutin-Fissau.
Der
E 1 führt entlang der "Fünf Seen" über Niederkleveez nach Bad
Malente-Gremsmühlen, quert den Ort vom Dieksee zum Kellersee und verläuft am
nördlichen Ufer des Kellersees bis Sielbeck, dann weiter am östlichen
Kellerseeufer bis Fissau. Am südlichen Ende des Kellersees trifft der E 1 auf
die Leonhard-Boldt-Straße, links abbiegen bis zur Sielbecker Landstraße. Wieder
links abbiegen und der Straße folgen, bis die Straße Wolfsberg abzweigt. Hier
die Sielbecker Landstraße überqueren und der Straße Mörken bis zur Dorfstraße
folgen. Wieder links abbiegen und der Dorfstraße folgen - bald ist rechts die
Martin-Luther-Kirche auf einem Hügel zu sehen.
Karte:
Topographische Karte des Landesvermessungsamtes Schleswig-Holstein "Holsteini-sche
Schweiz", M 1:25 000
Hinweis und Dank der Redaktion: Mit dieser Folge endet vorerst unsere Pilgerserie. Ganz herzlichen Dank an
Horst Grümbel, unseren Pilger und Autor! Nach Ostern will er sich erneut
aufmachen und von seinen Pilgerwegen durch Ostholstein berichten.
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