"Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!"

Ausflug in den Prater: Pastor Dr. Bernd Jaeger ist seit Juli im Dienst in der Wiener Geschäftsstelle der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE. Foto: privatZwischen "Stop and go" und Auto-Rallye
"Unser Mann in Wien" - auf dem Foto mit meinem Konterfei ist im Hintergrund das Riesenrad im Wiener Prater zu sehen. Wer kennt es nicht? Was jedoch nicht zu sehen ist und wohl nur Wien-Besucher kennen, das ist, worauf ich blickte, als unsere Referentin für die Öffentlichkeitsarbeit, Ingrid Monjencs, auf den Auslöser ihrer Kamera drückte, nämlich der große Verkehrsknotenpunkt vor dem Eingang zum Prater: In der Mitte eines weiträumigen Areals liegt da ein aus Glas und Stahl gebauter Bahnhof, die Station Praterstern, umgeben von einer sechsspurigen Trasse für den Autoverkehr. - Das Ganze ist alles andere als ein begehrtes Fotomotiv, gleichwohl typisch für die Großstadt Wien.
In Wien sich mit dem Auto fortzubewegen, ist eine echte Herausforderung, morgens und nachmittags ein Geduldsspiel. "Stop and go" oder besser: mehr "stop" als "go". Oft geht auch gar nichts mehr, also reiner Stillstand. Wenn dann aber der Verkehr wieder fließt, muss man wahnsinnig achtgeben, weil eine Rallye losgeht. Da wird wie wild beschleunigt und abgebremst, werden die Spuren kreuz und quer gewechselt. Dass Wien ein ganzes Stück südlicher liegt als Ostholstein, geben auch das Temperament und der verwegene Fahrstil mancher Autofahrer zu erkennen.
"Öffis" sind umweltschonender und schneller
Sicherlich, man muss in Wien kein ausgesprochener Umweltaktivist sein, um die enorme Belastung von Mensch und Umwelt durch den innerstädtischen individuellen Kfz-Verkehr zu erkennen und dafür zu plädieren, dass Autos so weit wie möglich generell aus der Innenstadt verbannt werden sollten. Auch in Wien ist man mit den "Öffis", den Bahnen und Bussen umweltschonender und fast immer auch wesentlich schneller am Arbeitsplatz als mit dem Auto.
Dennoch, die Male, wo es nicht anders ging und ich ins Auto stieg, um mich in das das Verkehrsgewühl zu begeben, da habe ich mich manches Mal auch über das andere, das eben auch zu den Erfahrungen des Straßenverkehrs in dieser Stadt gehört, gewundert: So rasant in der Regel drauflos gefahren wird - auf der anderen Seite wird nicht selten in einem verblüffenden Maß auch Rücksicht aufeinander genommen.
Taxifahrer verfolgt Verkehrsrowdy
Auch im Straßenverkehr menschelt es oft sehr. Neid, Konkurrenz, Geltungssucht sind auch hier die Triebfedern des Handelns. Ein Bekannter erzählte, dass er in einem Taxi, in dem er als Fahrgast saß, zu seinem Erschrecken erleben musste, wie der Taxifahrer plötzlich kurzerhand von der Fahrtroute abwich, um einen Verkehrsteilnehmer zu verfolgen und zu stellen, von dem er sich geschnitten fühlte.
Aufmerksam und rücksichtsvoll
Aber auch das Gegenteil lässt sich beobachten, dass Autofahrer im guten Sinne gegen die Regeln verstoßen, einfach auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten, um anderen den Vortritt zu lassen, oder sich überhaupt zurückhaltend benehmen, um andere nicht zu gefährden, kurzum: gegen Aggressivität, gegen auch alles Vorschreiben und Reglementieren ein anderes Zeichen setzen, das der Rücksicht aufeinander, der Aufmerksamkeit füreinander, der Menschlichkeit. Das sind sicherlich nur kleine Beispiele, und doch sind sie gar nicht so weit entfernt von jener Goldenen Regel eines sensiblen Verhaltens aus dem Neuen Testament, die bekanntlich lautet: "Was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch." [Matthäus 7,12]
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