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Evangelische Kirchengemeinde Rensefeld

Pastorin Astrid Tilles wird in den Ruhestand verabschiedet

11.12.2015 | Nach über 30 Jahren als Pastorin in der Gemeinde Rensefeld und elf Jahren als Kirchenkreisbeauftragte für die Posaunenarbeit verlässt die 60-Jährige den Norden und zieht nach Westfalen.

Propst Peter Barz verabschiedet Pastorin Astrid Tilles.

Pastorin Astrid Tilles wird in den Ruhestand verabschiedet

Mehr als die Hälfte ihres Lebens war Astrid Tilles Pastorin der Kirchengemeinde Rensefeld. Nach 32 Jahren geht sie auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Die Entscheidung sei ihr nicht leichtgefallen, sagt die Seelsorgerin, die im Sommer 60 geworden ist. „Die Gemeinde war meine Familie, ich habe für die Gemeinde gelebt und nie auf die Uhr geguckt. Es war eine schöne Zeit.“  Doch jetzt sei ihr Privatleben an der Reihe.

„Mein Mann und ich möchten nun unser gemeinsames Leben genießen“, sagt Astrid Tilles, ehemals Astrid Tank, die 2011 Wilfried Tilles geheiratet hat. Sie lernt ihn 2006 auf einer biblischen Reise "Auf den Spuren des Apostels Paulus durch Griechenland " kennen. Dass ihre Pastorin sich verliebt hat, erfährt die Gemeinde im Jahr darauf: „Wir sind händchenhaltend über das Gemeindefest gegangen, das war nett, das hat für ordentlich Aufsehen gesorgt“, erzählt sie schmunzelnd. Im Januar wird sie zu ihrem Mann in die Nähe von Paderborn ziehen – und in ihrer Kirchengemeinde und im Kirchenkreis eine große Lücke hinterlassen. "Mit Frau Tilles verabschieden wir eine äußerst zuverlässige Pastorin, die in ihrer Kirchengemeinde und im gesamten Kirchenkreis viel bewegt hat", sagt Propst Peter Barz, der sie am Sonntag, 13. Dezember, um 15 Uhr mit einem Gottesdienst in St. Fabian zu Rensefeld in den Ruhestand verabschiedet.  "Mit der ihr eigenen Klarheit hat sie sowohl geistige Räume erschlossen als auch für Struktur und Ordnung gesorgt."

Klar und strukturiert, so beschreibt sich Tilles auch selbst. So sei sie erzogen worden. Aufgewachsen im Kreis Rendsburg-Eckernförde, hilft sie schon als kleines Mädchen im Hotelbetrieb ihrer Eltern, die sie zu einer selbstbewussten Persönlichkeit erziehen. Bereits als 14-Jährige leitet sie in ihrer Kirchengemeinde eine Jungschargruppe.

Nach dem Studium und dem Vikariat in Kiel kommt sie 1983 als junge Frau nach Bad Schwartau, wird im selben Jahr ordiniert und behauptet sich mit ihrer energischen Art als eine der ersten Pastorinnen in der Region in einer Männerdomäne. "Als ich in den Konvent kam, begrüßte uns der Propst mit 'Liebe Brüder, …' – das hat er nur einmal gemacht", erinnert sie sich und grinst. Schnell genießt sie hohes Ansehen unter den Kollegen, engagiert sich auch  im Kirchenkreis, wohnt den Treffen der Synode bei, wird Mitglied zunächst im Finanzausschuss, dann im Kirchenkreisvorstand. Mehrmals schlägt man sie für das Amt der Pröpstin vor, jedes Mal lehnt sie ab, wird stattdessen Stellvertreterin von Propst Matthias Wiechmann.

Als Pastorin setzt sie sich weiter für ihre Gemeinde ein. "Ich habe immer gerne Gottesdienste gemacht." Besonders am Herzen liegt ihr der Mini-Mitmach-Gottesdienst, aber auch das Erntedankfest. Dass sie gute Arbeit macht, spricht sich herum. Eine Hamburger Gemeinde will sie abwerben, doch sie bleibt Rensefeld ihr ganzes Berufslaben lang treu. „Ich war so etwas wie eine Familienpastorin. Ich wurde gebraucht und geschätzt."

Auch der spirituelle Bereich ist ihr wichtig. Sie schafft Gelegenheiten für stille Momente, zum Gebet, zum Innehalten, mit Angeboten wie den „Exerzitien im Alltag“, der „Auszeit“ und „Der Andere Advent“:  In der Adventszeit bis Heiligabend ist die St. Fabian-Kirche täglich von 7.30 bis 9 Uhr zum Gebet und zur Meditation geöffnet. Um 8 Uhr findet eine kleine Andacht statt.

Die 60-Jährige blickt auf „ein erfülltes Berufsleben“ zurück, mit der Gewissheit, dass sie viele Spuren in der Gemeinde hinterlässt. „Ich hatte Glück mit den Kollegen, habe alles erreicht, was ich erreichen wollte, und verlasse die Rensefelder Kirchengemeinde mit  einem großen Paukenschlag." Ihr ist es zu verdanken, dass die drei alten Eisenglocken im Turm von St. Fabian durch vier neue Bronzeglocken ersetzt worden sind.

Einen großen Stellenwert hat auch die Musik. Sie fängt vor 25 Jahren an, im Posaunenchor Trompete zu spielen. "Wenn man irgendwo mitmischt, will man, dass es ordentlich läuft." 2004 wird sie Kirchenkreisbeauftragte für die Posaunenarbeit. Die Nachwuchsarbeit liegt ihr am Herzen, sie wird vom Kirchenkreis gefördert. Um das Bestehen der Posaunenchöre zu sichern, müsse es gelingen, Nachwuchs heranzuziehen. Sie macht unter anderem gemeinsam mit Chormitgliedern Werbung an Grundschulen und organisiert Jungbläsertage.  Am 2. Advent ist sie in einem Bezirkskonzert aus ihrem Amt verabschiedet worden. "Meine Trompete gehörte der Kirchengemeinde, deshalb muss ich sie abgeben", sagt sie. "Aber ich habe mir eine eigene Trompete gekauft und möchte weiter spielen. In der  Gemeinde, in die ich ziehe, gibt es einen Posaunenchor."

Und auch sonst werde im Ruhestand keine Langeweile aufkommen: "Mein Mann und ich lieben beide Kunst, Museen, Theater und Reisen. Nächstes Jahr wollen wir das Munch-Museum in Oslo besuchen. Außerdem kocht und backt das Ehepaar gerne. Nun sei Zeit für alles, was in den vergangenen Jahren zu kurz kam: "Dieses Jahr werde ich es zum ersten Mal seit 32 Jahren wieder schaffen, Weihnachtsplätzchen zu backen."