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Flüchtlingshilfe

Pröpste loben große Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen im Kirchenkreis

30.12.2015 | Sie bringen Licht und Wärme in die Dunkelheit: Hunderte Freiwillige engagieren sich in den Gemeinden ehrenamtlich für Flüchtlinge. Um die zahlreichen Hilfsangebote zu koordinieren, wird ein Flüchtlingsbeauftragter eingestellt.

Pröpste loben große Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen im Kirchenkreis

Geschirr klappert, vergnügte Kinderstimmen vermischen sich mit den Gesprächen der Erwachsenen. Jemand spielt Klavier. Ein Mädchen mit schwarzen Zöpfen spielt mit einem Luftballon. Seine Augen strahlen. Im Gemeindesaal der Michaeliskirche in Eutin hat sich an einem Freitagnachmittag im Dezember eine wohlige Wärme ausgebreitet. Hier treffen sich einmal im Monat beim „Café Global“ Einheimische und Flüchtlinge bei Kaffee und Kuchen. Fremde sitzen beisammen und reden miteinander – auf Arabisch, Persisch, Farsi, Englisch, Deutsch, . . . – zur Not mit Händen und Füßen – oder sie verständigen sich einfach mit einem Lächeln. Die Wärme, die in der Luft liegt, stammt nicht nur von den Kerzen, die auf den Tischen brennen. Es ist eine göttliche Wärme, geschaffen durch Menschlichkeit.

So wie beim „Café Global“ ist sie überall im ganzen Kirchenkreis zu spüren. Neben den beratenden und begleitenden Angeboten des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Ostholstein engagieren sich in zahlreichen Projekten und Initiativen mehr als 500 Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden. Sie bieten ihre Unterstützung und ihre Gastfreundschaft an, spenden so viel Zeit, Geld und Trost, wie sie können. Sie leben das, was im Alten Testament geschrieben steht: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.“ (Levitikus 19, 34) Hier bringt eine Frau Flüchtlingen das Stricken bei, dort werden Spiele- und Koch-Abende veranstaltet. In einer Gemeinde organisieren Helfer eine Fahrradwerkstatt, in vielen Orten kümmern sich Willkommens-Gruppen um die Ankommenden, organisieren Wohnungen und Sportangebote, helfen bei Behördengängen. Sie bringen Kleidung, koordinieren Fahrdienste, übernehmen Patenschaften, dolmetschen und geben Deutschkurse.

Die Diakonie unterstütze die Integration der Asylsuchenden mit verschiedenen Projekten und Einrichtungen wie dem Café Global, sagt Ulrike Haasler, Leiterin des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Ostholstein. „Die Ehrenamtlichen arbeiten in der Flüchtlingsarbeit eng mit den Hauptamtlichen zusammen.“ Eine große Herausforderung sei die Vernetzung und Verzahnung der zahlreichen Hilfsangebote. „Um die Kräfte der vielen Haupt- und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit zu bündeln, bekommt der Kirchenkreis zum 4. Januar einen regionalen Flüchtlingsbeauftragten.“ Er werde die kirchlichen Angebote im Bereich der Flüchtlingsarbeit sowie den Einsatz und die Fortbildung der Ehrenamtlichen in Zukunft koordinieren.

„Der überragende Einsatz der vielen Ehrenamtlichen im kirchlichen wie im nichtkirchlichen Umfeld macht Hoffnung, dass die Integration der Flüchtlinge gelingen kann“, sagt der Neustädter Propst Dirk Süssenbach. Es sei Aufgabe der Kirche, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern und die Herausforderungen der Flüchtlingshilfe Hand in Hand und in professioneller Weise zu gestalten. Peter Barz, Propst in Eutin, spricht den Helfern seinen Dank und seine Anerkennung aus. „Wir beobachten, dass die Zahl derer, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, wächst. Nur durch den Einsatz der vielen Freiwilligen ist diese Herausforderung überhaupt zu schaffen.“ Er beobachte bei vielen Menschen im Kirchenkreis jedoch auch eine Verunsicherung. „Da ist einerseits ein großes Maß an Hilfsbereitschaft gegenüber Notleidenden, ein enormes Engagement bei der Aufnahme und Begleitung von Flüchtlingen. Doch auf der anderen Seite ist mit Blick auf das neue Jahr die Sorge spürbar, ob die Gemeinschaft den Herausforderungen gewachsen sein wird.“ Hassbotschaften im Internet und die Terroranschläge von Paris schürten diese Ängste noch. Die Verunsicherung und die Zweifel seien jedoch nicht mit ein paar lauten Böllern und Raketen am Silvesterabend zu verscheuchen: „Wir brauchen Ermutigung und Trost, wenn der Wunsch nach Frieden in so weiter Ferne scheint“, sagt der Propst. „Es geht um Nähe, Liebe und Geduld, Verständnis und Verzeihen – und um Geborgenheit.“ Dazu passe die Jahreslosung für 2016: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13) Den Ängsten sei etwas entgegenzusetzen, das mehr Kraft hat als der Lärm zum Jahreswechsel: das Licht und die Wärme, die an den Orten im Kirchenkreis spürbar sind, an denen Menschen einander helfen und einander begegnen. Überall dort, wo dieses Licht und diese Wärme seien, überall dort sei auch Gott zugegen.