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Pilgerweg 2

Labyrinth Neversfelde - Neukirchen - Malente

Pilgern in Ostholstein Horst Grümbel am Labyrinth der Evangelischen Männerarbeit der Nordkirche bei Neversfelde. Foto: Döbler
© Kirchenkreis Ostholstein

Pilgern in Ostholstein Horst Grümbel am Labyrinth der Evangelischen Männerarbeit der Nordkirche bei Neversfelde. Foto: Döbler

 

Horst Grümbel

Heilige Orte

Frisches Buchengrün empfängt mich im Wald zwischen Malente und Eutin: Bergengehölz bis Beuthiner Holz. Ich gehe einige hundert Meter in den Wald, bis die Geräusche des Verkehrs nicht mehr zu hören sind, und hole ein Blatt aus der Jacke. Darauf Worte nach Psalm 25:

Auf dich, mein Gott, richte ich Herz und Sinn.
Dir vertraue ich; enttäusche mich nicht!
Zeig mir den Weg, den ich gehen soll.
Du bist doch der Gott, bei dem ich Hilfe finde.
Dein Name, Gott, bürgt für deine Liebe!
Er verspricht Glück und Frieden.
Gott, wende dich mir zu.

Dieser Text soll mich heute auf meinem Pilgerweg begleiten.

Plötzlich Kinderstimmen – der Waldkindergarten im Bergengehölz. In sanftem auf und ab geht es weiter. Nach wenigen Kilometern tritt das ein, was ich beim Wandern immer wieder erlebe: die "Knoten" in Kopf und Seele lösen sich – ein Zustand der Leichtigkeit und Unbeschwertheit.

An allen Abzweigungen stehen Wegweiser, ich muss nicht auf die Karte schauen. So hole ich immer wieder meinen Psalm hervor: "Auf dich, mein Gott, richte ich Herz und Sinn…" –  "Wiederkäuen" nannte Martin Luther diese Art der Meditation.

Nach anderthalb Stunden liegt der Wald hinter mir, und ich blicke auf die Umgehungsstraßen Eutins. Über der Stadt der Turm von St. Michaelis. Hinter der Umgehung folge ich dem neu angelegten Naturerlebnispfad, überquere eine Brücke, durchwandere ein Wohngebiet bis zur Schwimmhalle an der Fissauer Bucht des Großen Eutiner Sees. Von hier geht es nach Norden, dann an der Schwentine entlang, bis sie in den Kellersee mündet.

An seinem Westufer, im Prinzenholz entspringt der "Born der Luise". Den Platz an der Quelle schildert 1795 der Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voß, damals Schulrektor in Eutin, in seiner Idylle "Luise.

Abseits vom Hauptweg, an der Spitze der Halbinsel stoße ich auf einen freien Platz, von hohen Buchen umgeben – für mich eine der schönsten Stellen am Kellersee. An einen Baum gelehnt lasse ich die Atmosphäre dieses Ortes auf mich wirken. Ich hole meinen Psalm aus der Tasche: "Auf dich, mein Gott, richte ich Herz und Sinn …"

Dann nochmal eine Dreiviertelstunde Weg, bis ich mein Ziel erreiche: die Maria-Magdalenen-Kirche in Malente. Sie gehört zu den alten Feldsteinkirchen, die im 12. Jahrhundert in der Region gebaut wurden. Ihr Holzturm wurde 1893 leider abgerissen und durch einen neoromanischen Turm aus Backsteinen ersetzt. Altar, Kanzel, Bänke, Wandverkleidung und Empore sind aus Holz gefertigt und vermitteln ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Ich trete vor den Altar und spreche aus meinem Pilgerpsalm: "Auf dich, mein Gott, richte ich Herz und Sinn. Dir vertraue ich. Zeig mir den Weg, den ich gehen soll."

Wegbeschreibung

Länge des Weges: ca. 20 km

Gehzeit (ohne Pausen) bei mäßigem Pilgertempo: ca. 5 Stunden

Ausgangs- und Zielort: Bad Malente-Gremsmühlen

Ab Eutiner Straße in den Wald hinein dem Wanderweg 7 nach Eutin folgen bis zum Parkplatz am Beuthiner Holz, unterwegs immer wieder Wegweiser mit der Aufschrift "Eutin".

Vom Parkplatz aus nach rechts auf Teerstraße ca. 100 m an der Baumschule Bockel vorbei, dann links auf einem Feldweg in Richtung Westtangente. Diese unterqueren und dem Naturerlebnispfad in Richtung Kerntangente folgen. An der Ampelanlage die Kerntangente queren, dem schmalen Weg nach links folgen und über die Brücke in das Wohngebiet. Der Straße nach rechts folgen bis Holstenstraße, dann nach links der Holstenstraße folgen, die Riemannstraße überqueren.

Am Großen Eutiner See nach links auf dem Europäischen Fern-wanderweg E 1, markiert durch das Andreaskreuz x, bis zur Mündung der Schwentine in den Kellersee. Kurz nach links, dann auf dem Prinzenholzweg in den Wald. Am "Born der Luise" den Hauptweg rechts verlassen und auf schmalem Pfad zum Platz an der Spitze der Halbinsel. Auf Pfad wieder zurück zum Hauptweg und weiter bis zur Malenter Landstraße.

An der verkehrsreichen Straße nach rechts bis am Parkplatz hinter Gut Rothensande ("Immenhof") der Fußweg abzweigt. Der Fußweg überquer auf einer Brücke die Schwentine und endet an dem Rothensander Weg. Nach 100 m wird der Wöbbensredder erreicht. Der Straße nach links folgen bis Lindenallee, dann nach rechts zum Kellersee. Auf der Kellerseepromenade bis zum Wendekreis Janusallee; der Eingang in die "Wunderwelt Wasser" mit dem großen Seeadlerkopf ist zu sehen. Die Janusallee entlang bis zum Haus der Kirche, dahinter die Maria-Magdalenen-Kirche.

Karte: Topographische Karte "Holsteinische Schweiz" des Landesvermessungsamtes Schleswig-Holstein, M 1:25.000