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Kirchenkreis Ostholstein

Die Realität im Stall von Bethlehem

21.12.2018 | Die Pröpste des Kirchenkreises lenken in ihren Weihnachtspredigten den Blick auf die wenig harmonische Wirklichkeit der Heiligen Familie.

 Neustadt/Eutin. Die Pröpste des Kirchenkreises Ostholstein, Dirk Süssenbach und Peter Barz, fordern in ihren Weihnachtsbotschaften dazu auf, nicht mit einem verklärten Blick auf die Weihnachtsgeschichte zu sehen. Von einem „fröhlichen Familienfest voller Glücksmomente und friedlicher Harmonie“ könne nicht die Rede sein, heißt es im Predigtmanuskript von Propst Dirk Süssenbach (Propstei Oldenburg), der die Christvesper am Heiligen Abend um 16 Uhr in der Hospitalkirche in Neustadt hält. „Maria und Josef fanden keinen Raum in der Herberge und waren von Fremden umgeben, als das Kind geboren wurde“, so Süssenbach. Im Stall sei es „zugig und kalt, schmutzig und dreckig“ gewesen.

Auch hätten Maria und Josef, wie bei Matthäus 1,19 nachzulesen ist, wegen der unklaren Vaterschaftsverhältnisse eine Krise überwinden müssen. Die Erfahrungen der Heiligen Familie seien insofern nicht weit von den Erfahrungen vieler Familien heute entfernt, schreibt der Propst. „Und gerade die Weihnachtstage können für alleinerziehende Väter und Mütter, aber auch für Patchwork-Familien, in denen Kinder verschiedener Herkunftsfamilien in neuen Partnerschaften zusammenleben, zu einer echten Belastungsprobe werden.“

Die Weihnachtsgeschichte belege, dass Christus sich nicht da zeige, wo alles „heil und perfekt ist, sondern dort, wo er gebraucht wird, um etwas heil zu machen; wo Menschen darum ringen, mit der von Brüchen gezeichneten Realität ihres Lebens irgendwie zurecht zu kommen“, so Süssenbach. Gott schenke „Halt in aller Haltlosigkeit, Geborgenheit in allem Ungeborgensein und Frieden in aller Friedlosigkeit“.

Propst Peter Barz (Propstei Eutin), der an Heiligabend die Christvespern um 16.30 Uhr und um 18 Uhr in St. Michaelis in Eutin leiten wird, nimmt unseren Umgang mit Geschenken in den Blick. „Unsere Wirtschaft, ja, der gesamte Welthandel sähe ganz anders aus, gäbe es nicht Geschenke zu Weihnachten“, schreibt der Propst in seinem Predigtmanuskript. Barz erinnert sich an ein persönliches Erlebnis mit einer Weihnachtskrippe, die er von seinen Eltern vor Jahren geschenkt bekam. Der Krippen-Schnitzer habe das Jesuskind nicht „lieblich mit lockigem Haar“ dargestellt, sondern eher schroff und ärmlich. In dieser Art der Darstellung stecke eine Botschaft, nämlich bei allem, was Weihnachten für die Menschen ausmacht, doch zuerst auf das Kind in der Krippe zu schauen. Propst Barz: „In diesem Flüchtlingskind ohne Herberge, geboren in einem dreckigen Viehstall, kommt Gott in unsere Welt – ohne Glitzerpapier und opulentes Weihnachtsmahl. Das ist das Wunder: Gott als schutzbedürftiges Kind, ohnmächtig, ganz auf die Fürsorge der Eltern angewiesen. Das ist das Geschenk Gottes an uns.“

 

Weihnachtstext Propst Dirk Süßenbach

Weihnachtstext Propst Peter Barz