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Frauenwerk

Ein „Frauenmahl“ zum Jubiläum

15.10.2021 | Eutin. Das Frauenwerk des Kirchenkreises Ostholstein wird dieser Tage 25 Jahre alt. Gefeiert wird das mit einem „Frauenmahl“, zu dem alle Frauen in Ostholstein herzlich eingeladen sind, und zwar am Freitag, 22. Oktober im Gemeindehaus von St. Michaelis in Eutin.

Frauenmahl
Frauenmahl

Bei dem „festlichen Abend von Frauen für Frauen“, der um 18 Uhr beginnt, geht es nicht nur um ein leckeres Essen, sondern auch um Perspektiven für die Zukunft. „Weiter denken – Visionen für morgen“, so lautet die Überschrift. Zwischen den einzelnen Gängen – auf der Speisekarte stehen Pesto und frisches Brot, eine Kürbis-Orangen-Suppe mit Gremolata, Zwiebelkuchen sowie gedünsteter Apfel mit Quarkmousse – sind anregende thematische Impulse vorgesehen.

So werden die Schülerinnen Iara de Oliveira-Gloria, Marlene Schulte-Kersmecke und Lucie Marlen Gubatz darüber sprechen, wie sie ihre eigene Zukunft, die des Klimas und der Umwelt sehen und warum sie sich in der Initiative Fridays for Future engagieren. Außerdem werden Johanna Spiller und Hannah Behringer vom Jugendpfarramt der Nordkirche aus ihrer Erfahrung heraus  Eindrücke schildern, mit welchen Hoffnungen, Sorgen und Überzeugungen viele Jugendliche in die Zukunft blicken. Janne Gleitz vom Hof Prisemut wird von ihrer Vision und dem Projekt solidarischer Landwirtschaft in Gottesgabe bei Giekau berichten. Bei allem Blick nach vorn, wird ein kleiner Film auch zeigen, worum es im vergangenen Vierteljahrhundert gegangen ist. Bunt und vielfältig waren die Themen, die vom Erproben neuer Gottesdienstformen und dem Bibelfrühstück bis zu Kanuwochenenden für Mütter und Kinder, Hilfsaktionen für Frauen in Krisengebieten und ein Ausbildungsprojekt in  Ghana reichen. Lena Sonntag begleitet den rund vierstündigen Abend musikalisch. Die Teilnahme kostet 15 Euro. Umgehende Anmeldung bei Astrid Faehling per E-Mail an astrid.faehling@kk-oh.de oder unter Tel. 04521/8005-211.

 Als das Frauenwerk des Kirchenkreises Ostholstein 1996 gegründet wurde, waren Fragen von Gleichberechtigung und Eigenständigkeit noch nicht überall auf der Tagesordnung. Das Aufbrechen von Rollenbildern war nicht selbstverständlich. „Ich fand hier in Eutin die Frauenarbeit ziemlich betulich, auch ein bisschen langweilig; Sehr frontal und ein Pastor musste immer dabei sein“, erinnert sich Margret Kania, eine der Frauen der ersten Stunde. Sie war damals zu einer Vorbereitungsveranstaltung für einen Weltgebetstag der Frauen nach Lübeck gefahren und war überrascht und vor allem erfreut, wie es dort zuging: „Das hat mich so begeistert, dass ich gesagt habe, so etwas müssen wir auch haben“, erinnert sich die Seniorin. Sie war dann diejenige, die auf einer Kirchenkreissynode ein Referat zum Thema hielt, das ihrer Erinnerung nach „wie ein Paukenschlag“ wirkte und Dinge in Bewegung setzte. Letztlich entschied sich die Synode für die Gründung eines Frauenwerks. „Es war wirklich ein Aufbruch hier in Eutin“, so Kania.

Das strahlte sofort auch aus auf die Ökumene. „Ich hatte sofort das Gefühl: Hier fängt etwas ganz Neues an. Das fand ich total klasse“, erzählt die stellvertretende Kreispräsidentin und Sozialdemokratin Gabriele Appel, vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Eutin.

Inhaltlich geht es beim Frauenwerk unter anderem darum, dass Frauen neue Formen der kirchlichen Arbeit und der Gottesdienste, des Miteinanders erproben. Eine besondere Rolle spielt auch das Engagement für Frauen weltweit, die in ihren heimischen Regionen noch viel stärker für ihre Grundrechte kämpfen müssen. Die jährlichen ökumenischen Weltgebetstage der Frauen sind ein Ausdruck dieses Engagements. Überhaupt sind gesellschaftliche Themen weit oben auf der Agenda des Frauenwerks. „Politische Nachtgebete“ – etwa zur Flüchtlingsfrage – oder auch die „Eutiner Frauenrunde“ und das zweimal jährlich stattfindende „Frauenfrühstück“ greifen Themen unserer Zeit auf. Zu den Besonderheiten gehört dabei, dass die christlichen Frauen stets Spirituelles im Blick haben und – aus theologischer Sicht – ein feministisches Weltbild zugrunde legen. Ganz konkret wird dies etwa bei Veranstaltungen, bei denen Frauen die Bibel aus feministischer Sicht interpretieren. Ruth Gänßler-Rehse, die das Frauenwerk von 2002 bis 2018 leitete und prägte, erlebte die Zusammenarbeit mit den Frauen stets als „sehr lebendig und bunt“. Auch sie wünscht sich, dass das Feministische in der Arbeit des Frauenwerks künftig weiter deutlich betont wird.

Anne Riekenberg-Heinrich, die bereits vor der Gründung des Frauenwerks ehrenamtlich in der Frauenarbeit aktiv war und sich auch auf Ebene der damaligen Nordelbischen Kirche engagierte, wünscht sich, dass das Frauenwerk weiterhin „politisch Themen setzt und sich einmischt“. Für Riekenberg-Heinrich, die dem Beirat des Frauenwerks angehört und auch lange dessen Vorsitzende war, ist deshalb die Zusammenarbeit mit dem Verein Amica, der sich besonders für Frauen in Krisenregionen einsetzt, eine echte Herzensangelegenheit.

Astrid Faehling, die seit 2019 an der Spitze des Frauenwerks steht, nimmt diese Gedanken gerne auf. Ihre sehr optimistische Vision von einem „Himmel auf Erden mit Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen auf Erden“ will sie in den kommenden Jahren mit den Frauen in Ostholstein weiter verfolgen – auch wenn die Veranstaltungen und Initiativen des Frauenwerks dabei vielleicht nur ein Anfang im Kleinen sind.