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Buß- und Bettag

Ich war das nicht!

21.11.2017 | Ich war das nicht!
Die Vase liegt auf dem Boden, leider in Einzelteilen. Schon längere Zeit hatten wir den kleinen Jungen im Wohnzimmer toben hören, während wir in der Küche gemütlich beim Kaffee saßen.

Scherben Busstag
Scherben Busstag

Dann auf einmal das alarmierend laute Scheppern. Und da liegt sie nun: die Bodenvase, in große Scherben zersprungen. Daneben der Vierjährige, der zwar ein verlegenes Gesicht macht, dann aber überraschend verkündet: „Ich war das nicht!“

Ich behaupte: Die meisten Eltern haben eine solche Situation schon mal erlebt. Da ist etwas passiert, die Fakten liegen eigentlich offen zutage, aber die Kinder versuchen, aus der misslichen Lage herauszukommen, indem sie leugnen, etwas damit zu tun zu haben. Die Unverfrorenheit eines solchen Versuchs lässt mich zunächst staunen. Aber bei genauem Überlegen kann ich mich an Situationen erinnern, in denen ich mich durch Leugnen aus der Affäre ziehen wollte – als Kind, aber auch als Erwachsener. Das ist ja auch der leichteste Weg. So kann ich mir die Konsequenzen meines Handelns vom Leib halten, brauche keine Verantwortung dafür zu übernehmen und kann einfach so weitermachen, als ob nichts wäre. 

Wenn ich mich umblicke, ist das Leugnen längst der gängigste Weg im Umgang mit eigenem Fehlverhalten. Heerscharen von Rechtsanwälten leben davon, dass ihre Mandanten auf diesem Weg unterwegs sind. Eltern halten ihre Kinder dazu an, in der Schule ja nicht zuzugeben, wenn sie mal was ausgefressen haben. Finanzvorstände leugnen bis an die Grenze des Erträglichen eine Mitverantwortung für die Bankenkrise. Und auch im persönlichen Leben hat das Abstreiten eigener Verantwortung Konjunktur.

„Tut Buße!“ Diese Aufforderung steht ganz am Anfang des öffentlichen Wirkens von Jesus. Die Buße, die er meint, ist nichts, das mich klein macht. Im Gegenteil: Richtig verstandene Buße macht mich groß. Buße – das ist eine persönliche Einsicht, die Konsequenzen hat. Ich begreife, was mein Anteil an einer Sache ist und übernehme dafür Verantwortung ist. Ich sehe die Scherben vor mir und kann sagen: „Das war ich. Das tut mir leid. Ich möchte das wieder gut machen.“

Das mag nicht der leichteste Weg sein, aber auf lange Sicht ist es der einzige Weg, der mich aufrecht durchs Leben gehen lässt. Es lohnt sich deshalb, dem kleinen Jungen mit der Vase beizubringen, dass es besser ist, zu dem zu stehen, was man verzapft hat. Er wird dann hoffentlich hören: „Ist nicht schlimm. Wir hätten uns ja auch ein bisschen mehr um dich kümmern können. Außerdem haben wir zum Glück einen Handfeger.“