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„Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Flucht“

Kirchengemeinden feiern Gottesdienst mit Flüchtlingen

12.03.2016 | Viele Bibeltexte fordern dazu auf, Menschen auf der Flucht respektvoll und hilfsbereit zu begegnen und für die einzutreten, denen kein Recht zuteil wird. Am Sonntag "Judika" widmen sich einige Kirchengemeinden in Ostholstein diesem Thema, um Verständnis zu wecken und eine Möglichkeit der Begegnung zu schaffen.

Foto: Fotolia

Stockelsdorf/Sereetz/Scharbeutz. Überall in der Nordkirche und an mehreren Orten in Ostholstein wird am kommenden Sonntag, 13. März, ein besonderer Gottesdienst gefeiert: Unter dem Titel "Auf dem Weg - Gerechtigkeit und Flucht" halten Flüchtlinge und Einheimische gemeinsam Fürbitte und teilen ihre Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema miteinander. Auch in den Kirchengemeinden Stockelsdorf, Sereetz, Gnissau und Scharbeutz wird am Sonntag Judika der Gottesdienst unter diesem Motto stehen. Die Veranstaltung soll Verständnis für die Situation der Flüchtlinge wecken und eine Möglichkeit der Begegnung sein. Auch Menschen, die nicht aus den drei Gemeinden kommen, sind herzlich eingeladen.

In Stockelsdorf heißen Pastorin Almuth Jürgensen und ihr Team alle Menschen aus dem Ort und der Umgebung um 10 Uhr in der Stockelsdorfer Kirche willkommen. Menschen, die sich in der Flüchtlingsbegleitung zusammengefunden haben, gestalten den persönlich gehaltenen Gottesdienst. Zusammen mit Konfirmanden, die an Lesungen und Gebeten beteiligt sind, werden persönliche Perspektiven von "Flucht und Gerechtigkeit" geschildert. Zu Wort kommen Abdulssatar Khateb (25), der von seiner Flucht aus Syrien berichtet, Angela Prühs, Mitglied im "Arbeitskreis Willkommenskultur", die Eindrücke aus ihrem Ehrenamt schildert, und die Flüchtlingsbegleiterin Sabine Lietz. Bei einem Kirchkaffee an Bistro-Tischen in der Kirche können die Gestalter und Besucher des Gottesdienstes miteinander ins Gespräch kommen.

"In unserer Gemeinde öffnen viele Menschen ihre Herzen und Türen für die Flüchtlinge", sagt Pastorin Almuth Jürgensen, die gemeinsam mit ihrer Familie Flüchtlingsbegleiterin von drei Syrern ist. Seit anderthalb Jahren führt die Kirchengemeinde zusammen mit dem "Arbeitskreis Willkommenskultur" für Flüchtlinge in Stockelsdorf gut besuchte und angenommene Begegnungsveranstaltungen durch. Die Begegnung sei ein reicher Erfahrungsschatz und fordere alle Beteiligten heraus, so Jürgensen. "Fluchterfahrungen kennt schon die Bibel. Sie ist ein Buch der Migranten und Flüchtlinge. Sie zeigt, wie wir immer wieder auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind - als Fremde und als Menschen, die eine Heimat haben."

In Sereetz laden die Pastoren Sönke Stein und Frank Karpa ab 10 Uhr in die Kirche "Schifflein Christi", Ringstraße 25, in 23611 Sereetz, ein. Dort wird es einen Bericht der örtlichen Flüchtlingsarbeit sowie die Möglichkeit geben, mit den Flüchtlingen, die in der Sereetzer Gemeinde und in umliegenden Gemeinden leben, ins Gespräch zu kommen. Das Thema wird mit biblischen und anderen Texten in Beziehung gesetzt. "Der Gottesdienst soll ein Ort der Begegnung sein, um innere Barrieren zu überwinden", sagt Frank Karpa, Pastor für Männer- und Familienarbeit im Kirchenkreis Ostholstein. Einige Flüchtlinge werden einen eigenen Redebeitrag halten und ihre Situation aus ihrer Sicht schildern. Neben dem Fürbittengebet gibt es die Möglichkeit, ein muslimisches "Dohar" zu sprechen. Zudem werden die meisten Texte von Abdulla Mehmud ins Arabische übersetzt.

Die Kirchengemeinde Scharbeutz feiert den Gottesdienst am Sonntag, 13. März, ab 9.30 Uhr mit einem Abendmahl in der Geroldkirche in Klingberg. "Judika", also "Schaffe mir Recht" - dieses Psalm-Wort sei das Motto des Sonntags und mahne die zentrale Botschaft des Evangeliums an, für all diejenigen einzutreten, denen kein Recht zuteil wird, sagt Pastorin Karoline Jäger. "Die Bilder von verzweifelten Menschen, die Krieg und Terror und Not entrinnen wollen und doch keinen sicheren Ort zum Ankommen und Leben finden, schreien zum Himmel. Unsere gemeinsame Klage und Fürbitte sind gefragt und sollen mit dem Gottesdienst in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht werden."

Auch in Gnissau ist das Thema des Regionalen Gottesdienstes der Kirchengemeinden Gnissau, Curau und Ahrensbök mit Pastorin Mewes-Goeze am Sonntag "Judika" ab 10.15 Uhr Flucht und Vertreibung. Zwei Flüchtlinge von früher und heute werden dort zu Wort kommen. 

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Zum Hintergrund
Die Nordkirche hatte ihre Gemeinden aufgerufen, am diesjährigen Sonntag "Judika" (13. März) zu besonderen thematischen Gottesdiensten zu "Gerechtigkeit und Flucht" einzuladen. Sie könnten biblische Texte über Flucht, Migration, Fremdsein und Heimat neu entdecken, um daraus Impulse für das kirchliche Leben vor Ort abzuleiten.

Landesbischof Gerhard Ulriche unterstützte den Aufruf, der vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland, Europa und weltweit ergangen war.

Der Name "Judika" stammt aus der lateinischen Übersetzung des Eingangspsalms im Gottesdienst für den fünften Sonntag der Passionszeit. Der Psalm beginnt mit den Worten: "Gott, schaffe mir Recht!". Traditionell geht es an diesem Sonntag darum, wie Christen ihr Leben an Gottes Handeln und Gebot ausrichten.

Schätzungen zufolge wurden im vergangenen Jahr im Bereich der Nordkirche mindestens 35 000 Flüchtlinge von Hilfsinitiativen und Diensten in Kirche und Diakonie unterstützt. Fast jede vierte Kirchengemeinde der Nordkirche ist aktiv in der Flüchtlingsarbeit. Mindestens 12 000 Ehrenamtliche aus der Nordkirche engagierten sich Ende 2015 in der Flüchtlingshilfe von Kirche und Diakonie sowie gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen. Zudem übernahmen in den Kirchengemeinden mindestens 350 Hauptamtliche zusätzlich Aufgaben in der Flüchtlingsarbeit.