SCHLIESSEN

Suche

Spiritueller Impulstag in Neustadt

Neun Wege zu Gott

17.10.2016 | Die Arten, auf die die Menschen eine Verbindung zu Gott und zu ihren inneren Kraftquellen herstellen, sind ebenso vielfältig und individuell wie die Menschen selbst. Rund 40 Teilnehmende haben in Neustadt ihren eigenen Glaubensstil entdeckt und sich mit anderen darüber ausgetauscht.

Neustadt in Holstein. Um die unterschiedlichen "Glaubensstile" ging es bei einem Impulstag am vergangenen Wochenende in Neustadt in Holstein. Rund 40 Teilnehmende sind einen Samstag lang der Frage nachgegangen, auf welche Weise sie am besten einen Zugang zu Gott finden. "Das war eine sehr spannende Erfahrung", sagt der Beauftragte für Spiritualität im Kirchenkreis Ostholstein Pastor Michael Franke. Der Kirchenkreis hatte ins Gemeindehaus eingeladen.

Mit dabei waren vor allem interessierte Gemeindeglieder, einige Pastoren und Propst Dirk Süssenbach. Durch den Tag führte Oliver Schippers vom "Institut für natürliche Gemeindeentwicklung". Zunächst galt es die neun möglichen Stile kennenzulernen. Sie können als verschiedene Zugänge zu Gott verstanden werden: rational, rechtgläubig, bibelzentriert; missionarisch, asketisch, enthusiastisch; mystisch, sakramental oder sinnlich. Man könnte jeweils drei der Stile auch unter den Stichworten "das Wahre, das Gute oder das Schöne" zusammenfassen.

  1. Die Menschen in der rationalen Gruppe hinterfragen und prüfen alles, ehe sie es glauben können. Sie wollen genau wissen, woher eine biblische Aussage kommt, aus welcher Zeit sie stammt und ob der Text etwa im Laufe der Jahrhunderte verändert wurde. Sie finden ihren Zugang über Gedanken und Literatur und suchen immer nach einer rationalen Erklärung.
  2. Wer bibelzentriert glaubt, ist der Überzeugung, dass einzig und allein die Bibel das Wort Gottes ist und über allem steht. Das in der Bibel verkündete Wort ist für ihn oder sie die einzige Wahrheit und der Maßstab aller Dinge.
  3. Die Rechtgläubigen sind genau dazwischen. Ein bekannter Vertreter dieses Stils ist etwa Dietrich Bonhoeffer. Der Rechtgläubige fragt sich, wie er das, was in der Bibel geschrieben steht, in seinem Leben verwirklichen kann. Alle drei zuerst genannten Glaubenstypen finden über die Frage nach der Wahrheit einen Zugang zu Gott und zu ihren Kraftquellen. Eine weitere Gruppe fragt nach dem Guten:
  4. Zu ihnen gehört der Missionarische: Er schöpft Kraft daraus, dass er anderen den Glauben nahe bringt. Für ihn liegt der Zugang zu Gott darin, die frohe Botschaft weiterzugeben und andere von seinem Glauben zu überzeugen.
  5. Auch der asketische Stil gehört zu dieser Gruppe: Er übt Verzicht, um für andere da zu sein.
  6. Der Enthusiastische hingegen findet seinen Zugang zum Glauben zum Beispiel durch Singen und Lobpreisen. Er ist eher extrovertiert - ganz im Gegensatz zum Mystiker, der mit den Sinnlichen und Sakralen eine Gruppe bildet.
  7. Der Mystiker hat einen stillen Zugang zu Gott, indem er etwa eine Kerze anzündet und betet oder meditiert. Das, was sich in der Stille offenbart, ist für ihn auch die Stimme Gottes, nicht nur das Wort der Bibel. Er findet Gott in allen Orten, Dingen und Geschöpfen.
  8. Der sinnliche Typ hat einen eher emotionalen Glaubensstil, indem er über die sinnliche Wahrnehmung von Kunst, Musik und Natur seinen Glauben auslebt.
  9. Wer sakramental glaubt, dem sind Rituale und Symbole sehr wichtig: Er legt etwa großen Wert auf sakramentale Handlungen wie das Abendmahl oder die Segnung.

Diese anfänglich noch verwirrende Vielzahl an Stilen klärte sich bald und alle Teilnehmenden fanden sich dann doch in einem Stil oder einer Stilrichtung gut wieder. Die galt es am Vormittag näher kennenzulernen. Nachmittags kam man mit Teilnehmern anderer Stilgruppen ins Gespräch. Überraschenderweise blieb jede Diskussion, wer nun "recht" hat oder welches der "bessere" oder "wahrere" Weg sei, aus. "Es war vielmehr ein Tag der eigenen und gegenseitigen das Verständnis vertiefenden Wahrnehmung", beschreibt es Pastor Franke.

Gabriela Graf, Gemeindemitglied aus Gleschendorf, stimmt ihm zu: "Ich weiß jetzt mehr über meinen persönlichen Zugang zum christlichen Glauben, kann ihn aktiver gestalten und bewusster aus ihm Kraft schöpfen. Gleichzeitig kann ich die Ansätze beziehungsweise Zugänge, die mir bisher noch recht fremd waren, jetzt besser nachvollziehen und wertschätzen."

Eine weitere Erkenntnis sei, dass es von vielen anderen scheinbar entgegengesetzten Glaubenszugängen auch etwas in einem selbst zu entdecken gibt. Für manche war es schwierig, sich auf einen Stil festzulegen, aber einer Gruppe konnte sich jeder zuordnen. Dies ließe sich ganz konkret auf das Gemeindeleben übertragen. "Wenn man bedenkt, wie unterschiedlich Menschen glauben, ist es gar kein Wunder, dass wir mit einem Gottesdienst nicht alle erreichen. Aber wir könnten uns überlegen, welche Elemente man in den Gottesdienst einfügt, um die verschiedenen Glaubensstile besser anzusprechen.