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Kirchengemeinde Neustadt in Holstein

"Pastorin wollte ich sein, unbedingt"

20.03.2016 | Die Kirchengemeinde Neustadt i.H. hat eine neue Pastorin: Sarah Lotzkat hat das Pastorat in der Kirchhofsallee bereits mit ihrem Mann bezogen. In ihrer Vorstellung verrät sie, weshalb sie sich im letzten Moment gegen die Ausbildung zur Bankkauffrau und für die Theologie entschied - und warum sie ihren Dienst erst Ende des Jahres voll aufnimmt.

Sandra Lotzkat wurde im Februar ordiniert. Sie beginnt ihren Dienst in der Kirchengemeinde Neustadt i.H. jedoch erst Ende des Jahres, da sie im April Mutter wird.

Wo Menschen sich vergessen,
die Wege verlassen,
und neu beginnen,
ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Neu beginnen, ganz neu! Das tue ich in dieser Zeit ein weiteres Mal. Oft habe ich neu begonnen in den letzten Jahren. Immer wieder Abschiede, Aufbrüche und Neuanfänge. Seit ich mein Elternhaus in Eckernförde 2004 verlassen habe, um in Kiel das Studium der Theologie zu beginnen, häufen sich diese Situationen. Immer wieder habe ich altbewährte Wege verlassen, und mich aufgemacht zu neuen Ufern.

Die alten gewohnten Wege haben Sicherheit gegeben, ich wusste genau, über welchen Stein ich springen muss und an welcher Stelle mich Pfützen erwarten, wenn es geregnet hat. Aber die neuen Wege haben auch viel für sich. Sie weiten meinen Blick immer wieder. Sie zeigen mir neue Perspektiven auf und lassen mich noch einmal anders auf mein Leben schauen, auf meinen Glauben, auf Gott.

Ich wurde 1985 in Eckernförde geboren und habe dort meine Kindheit und Jugend verbracht. Seit der Konfirmation habe ich mich in meiner Heimatgemeinde Borby in der Jugendarbeit und später im Kirchenvorstand engagiert. Mit 16 Jahren wollte ich eine Ausbildung zur Bankkauffrau beginnen.

Im letzten Moment habe ich die bereits durchs Bewerbungsverfahren erlangte Stelle abgesagt und mich entschieden, das Abitur zu machen, um Theologie zu studieren. Pastorin wollte ich sein, unbedingt. "Warum" haben Menschen in meiner Umgebung immer wieder gefragt. "Das weiß ich nicht!" habe ich oft geantwortet, denn rational erklären konnte ich meinen Wunsch nicht.

Vielleicht wurde ich gerufen? Ein Lebensruf, dem ich gern folgen wollte. Ich merkte während der folgenden Jahre, dass sich dieses Gefühl immer mehr festigte. Ich war bereit, hart zu arbeiten und mich gegen Widerstände durchzusetzen, um das zu schaffen, was ich mir für mich als nunmehr einzige Berufsperspektive vorstellen konnte.

Nachdem ich in Kiel und Münster studiert hatte, habe ich 2012 das Erste Theologisches Examen absolviert. Ein Jahr lang war ich Wissenschaftliche Angestellte am Institut für Neutestamentliche Wissenschaft uns Judaistik in Kiel. 2013 bis 2016 bin ich als Vikarin in die Kirchengemeinde Cleverbrück in Bad Schwartau gekommen und habe dort nicht nur bei meiner Anleiterin Pastorin Rahe viel gelernt, mich theologisch und persönlich weiterentwickelt und noch einmal den Wunsch festigen können, Pastorin zu werden.

Nun, nach dem bestandenen Zweiten Examen, ist es endlich soweit. Im Februar dieses Jahres wurde ich ordiniert und als PzA der Kirchengemeinde Neustadt i.H. zugewiesen. Für uns ist es ein besonderes Glück, so nah an der Ostsee leben und Arbeiten zu dürfen. Aus Kindertagen bin ich es gewohnt, immer schnell am Wasser sein zu können. Das habe ich sehr schätzen und lieben gelernt. Vor allem, wenn mal kein Meer in der Nähe war. Und auch mein Mann, der an der Müritz geboren und aufgewachsen ist und das Bootfahren liebt, spürt eine besondere Verbundenheit.

Mein Ehemann und ich haben das Pastorat in der Kirchhofsallee bereits beziehen dürfen, obwohl es noch eine "kleine Pause" geben wird. So Gott will, werden wir im April Eltern. Darüber freuen wir uns natürlich sehr und sind sehr dankbar, dass wir in Neustadt schon das Zuhause für den neuen Erdenbewohner einrichten können. Geplant ist, dass ich zum Ende des Jahres meinen Dienst in der Gemeinde voll aufnehme.

Neu beginnen, ganz neu! Diese Liedzeile kam mir beim Schreiben in den Sinn. Wieder einmal habe ich alte Wege verlassen, beruflich und privat und beginne ganz neu. Für das Private kann ich mit Fug und Recht behaupten "da berühren sich Himmel und Erde" in dieser Zeit. Ich weiß aus der Vergangenheit, dass Gesundheit und Glück zerbrechliche Güter sind und manchmal nicht von Dauer. Daher genieße ich diese glückselige Zeit in vollen Zügen.

Und für das Berufliche wünsche ich es mir und bin frohen Mutes, dass sich auch in diesem Bereich immer wieder Situationen ergeben werden, in denen Himmel und Erde nah zueinander rücken und sich zu berühren scheinen. Ich freue mich auf diesen Neubeginn! Ich freue mich sehr auf die Begegnungen mit den neuen Kolleginnen und Kollegen, mit Menschen in der Gemeinde, in der Stadt und an vielen weiteren Orten. Ich möchte, wie es Hermann Hesse sagt, in Tapferkeit und ohne Trauern, mich den neuen Bindungen öffnen und den Zauber des Anfangs erleben.

Es grüßt herzlich Sarah Lotzkat