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Zeit des Sterbens

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"Das ist das Ende – für mich der Anfang eines neuen Lebens."

So hat Dietrich Bonhoeffer es am Tag seines Todes gesagt. Er drückte damit etwas aus, was für den christlichen Glauben zentral ist: Dieses Leben hier auf der Erde ist nur ein Teil der Wirklichkeit. Auf jeden, der in seinem Leben auf Gott vertraut hat, wartet jenseits des Todes ein neues Leben bei Gott. Wer an Gott glaubt, sieht im Tod nicht einfach ein Ende, sondern auch einen Anfang neuen Lebens, eine Tür zu Gott.

Aber natürlich ist es auch ein Ende. Der Sterbende muss sich von Menschen und Dingen trennen, die ihm vertraut sind. Die Familien und Freunde verlieren einen Menschen, der ihnen wichtig ist.

Das Sterben kann unterschiedlich erlebt werden, sowohl vom Sterbenden als auch von der Familie: Manche Menschen sehnen den Tod herbei - weil sie Schmerzen haben oder stark pflegebedürftig sind und keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen. Andere sind eigentlich noch nicht bereit, sie müssen sich erst mit dem Gedanken an das Sterben vertraut machen. Angst und Wut und manch andere Gefühle können den Sterbenden beschäftigen.

Mancher Mensch stirbt plötzlich, und das Erschrecken ist groß in der Familie. Andere sterben nach einer längeren Zeit zunehmender Schwäche, in der sie selbst und die Familie sich auf den Tod vorbereiten konnten.

Pastor Tim Voß, Hansühn.

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Besuch von Seelsorgern

In allen Fällen ist der Abschied schwer, denn wenn man einen Menschen liebt, dann lässt man ihn nicht gern los. Die Pastorin bzw. der Pastor, die Krankenhausseelsorgerin, der Krankenhausseelsorger sind in dieser Zeit natürlich gern bereit, den Sterbenden und die Familie zu besuchen!

Besuch nicht nur bei Sterbenden

Bitte zögern Sie nicht, Pastorin oder Pastor bzw. Krankenhausseelsorgerin oder Krankenhausseelsorger zu benachrichtigen, wenn Sie denken, dass ein Besuch für den Kranken oder die Familie gut wäre. Manche Menschen sind hier skeptisch, weil der Besuch der Pastorin oder des Pastors am Krankenbett ihnen wie eine Besiegelung des bevorstehenden Todes erscheint. Doch Pastorinnen oder Pastoren besuchen natürlich nicht nur Sterbende, sondern kommen auf Bitten selbstverständlich gern zu jedem Kranken. Scheuen Sie sich deshalb nicht, eine Pastorin, einen Pastor um einen Besuch zu bitten, wenn Sie den Eindruck haben, dass dies für den Kranken oder auch für Sie selbst eine Hilfe sein könnte.

Gut zu wissen: Ich bin nicht allein

Für jeden Kranken, besonders aber für Sterbende ist es wichtig, erleben zu dürfen: Ich werde nicht allein gelassen in meinen Ängsten und Fragen. Wer sich in der Zeit des Sterbens liebevoll getragen weiß, dem fällt es leichter zu gehen. Manche Menschen sterben dann bewusst im Kreis der Familie, andere erst dann, wenn sie ganz allein sind - aber für alle ist es gut zu wissen, dass die Menschen, die ihnen wichtig sind, ihnen auch jetzt zur Seite stehen.

In diesen Fällen kann insbesondere der Dienst der Seelsorge für schwerstkranke und sterbende Patienten und ihre Angehörigen im Rahmen der Spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung [SAPV] in unserem Kirchenkreis hilfreich sein.

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Patientenverfügung

Die fortschreitende Ausweitung der medizinischen Möglichkeiten wirft zunehmend Fragen auf, die sich früher so nicht gestellt  haben: Ist die Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Lebenserhaltung in jeder Lebensphase gleichermaßen geboten? Oder sollen wir darauf verzichten, wenn die beabsichtigte Lebensverlängerung zu einer belastenden Sterbeverlängerung zu führen droht oder bereits geführt hat?

Was ist besser: in der vertrauten Umgebung zu sterben, auch wenn dadurch nicht alle technisch-medizinischen Möglichkeiten jederzeit verfügbar sind und eine Lebensverkürzung die Folge sein kann, oder auf der Intensivstation so lange wie möglich zu leben?

Der letzten Lebensphase ihre eigene Würde erhalten

Solche Fragen lassen sich nicht immer generell beantworten. Dies mahnt auch zur Vorsicht, im Einzelfall nur eine einzige Handlungsweise als christlich geboten anzusehen. Letztlich muss die Entscheidung aus der konkreten Lage des sterbenden Menschen heraus, von seinen Bedürfnissen her und in Übereinstimmung mit seinen Wünschen und Vorstellungen getroffen werden.

Manchmal muss man erleben, wie jemand am Leben erhalten wird, der doch vielleicht besser friedlich sterben sollte. Wenn Sie für sich selbst Vorsorge treffen wollen, dass bestimmte lebenserhaltende Maßnahmen nicht unternommen werden, dann sollten Sie dies mit Ihrem Hausarzt besprechen. Die Hausärzte halten auch Formulare für eine so genannte "Patientenverfügung" bereit, mit der Sie festlegen können, welche Maßnahmen Sie für sich in so einem Fall wünschen und welche nicht.

Christliche Patientenvorsorge

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland [EKD] bietet gemeinsam mit der römisch-katholischen Kirche in Verbindung mit den weiteren Mitglieds- und Gastkirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland [ACK] unter dem Stichwort "Christliche Patientenvorsorge" eine "Christliche Patientenverfügung mit Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung" an.

Diese Patientenverfügung können Sie mit dem Hausarzt ausfüllen und auch bei ihm hinterlegen, denn bei einer Aufnahme in die Intensivstation eines Krankenhauses nehmen die Ärzte dort und der Hausarzt meist Kontakt miteinander auf.

EKD | Pastor Tim Voß, Hansühn | Pressestelle KK-OH